Als Ursachen für die Entzündung bei der MS kommt in erster Linie eine Fehlreaktion des eigenen Immunsystems in Frage, zudem wirken sich auch Umwelteinflüsse und möglicherweise begünstigende Erbanlagen aus. Die Beschwerden und Symptome einer MS sind sehr variabel und unterschiedlich. Als häufigste erste Krankheitszeichen sind Lähmungen der Gliedmaßen zu nennen oder Gefühlsstörungen am Rumpf oder an den Extremitäten, auch kommt es häufig zu Sehstörungen in Form von „Verschwommensehen” oder Doppelbildern. Alle Symptome können isoliert oder auch in Kombination auftreten.
In der Neurologischen Klinik des Marien Hospital Düsseldorf werden alle Diagnoseverfahren eingesetzt, die zur Feststellung dieser Erkrankung erforderlich sind. In Abhängigkeit vom weiteren Verlauf der Erkrankung werden hier sämtliche etablierten Behandlungsverfahren durchgeführt.Warum die Früherkennung der chronisch-entzündlichen Autoimmunkrankheit besonders wichtig ist und wie sie bei uns behandelt wird, erklärt Dr. Kalyani Bondre-Kempen, Oberärztin der Klinik für Neurologie am Marien Hospital.
Wie wichtig ist die Früherkennung bei MS und gibt es Fortschritte oder Strategien, die zur Prävention der Krankheit beitragen können?
Dr. Kalyani Bondre-Kempen: Der Früherkennung der MS kommt eine immense Bedeutung zu. Man weiß inzwischen, dass eine frühzeitige Diagnosestellung und dementsprechend frühe Therapieeinleitung einen sehr positiven Einfluss auf den gesamten weiteren Krankheitsverlauf haben können. Die Diagnosemethoden und -kriterien werden international regelmäßig von Expertenteams überprüft und angepasst. Dadurch ist man heutzutage in der Lage, eine MS zu einem viel früheren Zeitpunkt zu diagnostizieren und eine geeignete Therapie einzuleiten, als noch vor 10 Jahren. Hierdurch gewinnt man wertvolle Zeit.
Da die Ursachen der MS multifaktoriell und zum Teil noch nicht ausreichend erforscht sind, ist eine generelle Aussage zur Krankheitsprävention schwierig zu treffen. Man weiß zum Beispiel, dass Nikotinkonsum oder auch massives Übergewicht bereits vor Ausbruch der Krankheit einen begünstigenden Faktor darstellen können. Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Menschen mit diesen Risikofaktoren, die keine MS entwickeln. Ob es in Zukunft beispielsweise eine Impfung gegen die MS geben wird, können wir heute noch nicht sagen.
Welchen Einfluss haben Lebensstilfaktoren wie Ernährung, Bewegung und Stressmanagement auf den Verlauf von MS und gibt es spezifische Empfehlungen für Patienten?
Dr. Kalyani Bondre-Kempen: Studien haben gezeigt, dass Bewegung (Kraft- und Ausdauertraining, aber zum Beispiel auch Yoga und Pilates), normales Gewicht und Nikotinverzicht einen positiven Effekt auf den Verlauf der MS, die Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten und auch den Umgang mit Begleitsymptomen wie Schmerzen haben können. Des weiteren beschäftigt man sich wissenschaftlich in der letzten Zeit intensiv mit dem Darm-Mikrobiom.
Eine entzündungsfördernde Darmflora scheint Einfluss auf die Entzündungsaktivität der MS zu haben. Über die Ernährung ist eine Beeinflussung möglich (zum Beispiel ballaststoffreiche Kost, Vollkornprodukte, viel Gemüse, Nüsse und Reduktion von "leeren" Kohlenhydraten). Bei Vitamin D-Mangel, den viele MS-Patienten und Patientinnen haben, empfehle ich auch immer eine Substitution, da das ebenfalls einen positiven Effekt auf die Entzündungsaktivität haben kann.
Welche Maßnahmen und Therapien empfehlen Sie, um die Lebensqualität von MS-Patienten zu verbessern und wie können Angehörige effektiv Unterstützung leisten?
Dr. Kalyani Bondre-Kempen: Wichtig ist die individuelle Therapieentscheidung für die Patientinnen und Patienten, je nach Krankheitsverlauf und Bedürfnissen. Zum Beispiel ist die Familienplanung eine wichtige Frage. Je nachdem, wie die Lebenspläne sind, kann auch die Therapie angepasst werden. Von großer Bedeutung ist dabei der vertrauensvolle Kontakt zur Neurologin oder zum Neurologen. Denn wenn eine Therapie zum Beispiel unangenehme Nebenwirkungen verursacht, die die Lebensqualität beeinträchtigen, muss man diese heutzutage nicht aushalten. Besser ist es dann, über einen Therapiewechsel zu sprechen. In sehr vielen Fällen kann so eine gute Therapie gefunden werden.
Ergänzend rate ich allen Patientinnen und Patienten, ihre individuellen Ressourcen zu entdecken, zu nutzen, aber sich auch immer wieder Pausen zu gönnen. Das kann eine Sportart sein, die einem Freude bereitet, die Natur, oder auch mal einfach Zeit für sich. Das ist dann auch ein Punkt, bei dem Angehörige unterstützen können. Oft ist Zuhören und einfaches "zur Seite stehen" schon hilfreich. Auch Verständnis für "unsichtbare" Symptome wie die Fatigue, die einen oft aus heiterem Himmel überfällt, kann für die Patientinnen und Patienten entlastend sein. Auf der anderen Seite ist es auch von Bedeutung, die Patientinnen und Patienten in ihrer Selbstständigkeit zu fördern. Hilfreich für Angehörige können Selbsthilfegruppen sein, auch gibt es gute Informationsbroschüren zu diesem Thema.




























