Der Narbenbruch, auch Narbenhernie genannt, ist mit durchschnittlich 10 % eine häufige Spätkomplikation in der Bauchchirurgie. Angesichts von ca. 700.000 Bauchraumeröffnungen pro Jahr in Deutschland ist mit ca. 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr zu rechnen.

Die Festigkeit der Bauchwand wird normalerweise durch mehrere Schichten von Muskelzügen gewährleistet. Nach einer Operation wird die ursprüngliche elastische Festigkeit der Bauchdecke, welche durch die Muskulatur gegeben war, durch das weniger elastische Narbengewebe aus dem Gleichgewicht gebracht.

Was sind typische Symptome eines Narbenbruches?

Zu Beginn werden häufig erst ziehende Schmerzen in der Narbe bemerkt. Später ist dann meist eine zunehmende Schwellung und Vorwölbung zu erkennen, die im Laufe der Zeit vor allem beim Stehen sehr groß werden kann und dann auch im Liegen und ohne Pressen sichtbar bleibt.

Werden Darmanteile in der Bruchlücke eingeklemmt, kann es zur Entwicklung eines lebensbedrohlichen Darmverschlusses kommen. Die Blutgefäße der Darmwand werden abgedrückt und die Sauerstoffversorgung des betroffenen Darmabschnitts wird unterbrochen. Das betroffene Areal droht abzusterben, was eine Verteilung von Bakterien in den Bauchraum und in das Gefäßsystem mit akuter Lebensgefahr zur Folge haben kann. Symptome sind plötzlich auftretende kolikartige Bauchschmerzen mit Fieber, Übelkeit und Erbrechen.

Welche Untersuchungen sind bei einem Narbenbruch notwendig?

Die körperliche Untersuchung beim Arzt kann durch Tasten der Bruchpforte bzw. des Bruchsackes (die Vorwölbung) die Diagnose sichern. Zusätzliche Untersuchungen wie Ultraschall, eine Computertomografie oder Darmspiegelung können im Einzelfall erforderlich sein.

Muss ein Narbenbruch operiert werden und wenn ja, wann?

Der Narbenbruch wird im Laufe der Zeit größer und ist dann operativ aufwändiger zu versorgen. Zudem besteht permanent die Gefahr, dass sich beispielsweise Darmschlingen einklemmen und verletzt werden. Deswegen sollten Narbenbrüche grundsätzlich operativ versorgt werden. Eine sofortige chirurgische Behandlung ist dann notwendig, wenn sich der Bruch nicht wieder zurückdrängen lässt (eingeklemmter Bruch).

Welches Ziel hat die chirurgische Behandlung?

Bei der Operation wird der Bruch freigelegt und der Bruchinhalt (meist Bauchfett oder Darm) wieder in die Bauchhöhle zurückverlagert. Anschließend wird die sogenannte Bruchpforte, also das Loch in der Bauchwand, dauerhaft verschlossen.
 

Operationsverfahren

Grundsätzlich unterscheiden wir auch in der Chirurgie der Narbenhernie zwischen einem offenen und einem minimalinvasiven Verfahren.

Bei einer offenen Versorgung erfolgt die Operation über eine Eröffnung der alten Narbe. Hierbei muss gegebenenfalls eine Verwachsungslösung durchgeführt werden. Anschließend können dann die Einlage eines Kunststoffnetzes zur Verstärkung der Bauchwand sowie der Verschluss des Bruches/der Narbe erfolgen.

Die endoskopische Operation (sogenannte Schlüssellochtechnik) bietet für den Patienten deutliche Vorteile im postoperativen Verlauf. Neben einer deutlich geringeren Rate an Wundinfektionen ist dieses Verfahren schmerzärmer, der Krankenhausaufenthalt ist kürzer und der Patient ist schneller wieder belastbar. Jedoch hat auch das minimalinvasive Vorgehen seine Grenzen und bei großen Brüchen muss die Versorgung über eine offene Operation erfolgen. Zur Präparation der Bruchränder, zur Einlage des Kunststoffnetzes und zum Verschluss der Bruchpforte muss keine alte Narbe eröffnet werden. Je nachdem, in welcher Schicht der Bauchdecke die Präparation stattfindet, kann auf eine ausgedehnte Verwachsungslösung verzichtet werden.
 

Eine weitere Unterscheidung der Operationsverfahren erfolgt anhand der Wahl der Position des einzubringenden Kunststoffnetzes im Bereich der einzelnen Schichten der Bauchdecken. Die zwei gängigen Verfahren in unserer Klinik sind:

IPOM (IntraPeritonealesOnlayMesh)

Bei der Positionierung in IPOM-Technik wird das Kunststoffnetz in den Bauchinnenraum (intraperitoneal) eingebracht. Um ein Verrutschen des Netzes zu verhindern, muss bei dieser Technik das Netz mit Nähten oder Tackern in der Bauchdecke fixiert werden. Zusätzlich müssen hierbei Netze verwendet werden, welche eine besondere Beschichtung aufweisen, um das Verwachsen mit den inneren Organen zu minimieren.

Sublay

Bei der Positionierung in Sublay-Technik wird das Kunststoffnetz hinter die Bauchmuskulatur, aber noch vor das Bauchfell positioniert. Auf eine ausgiebige Fixierung des Netzes kann in den allermeisten Fällen verzichtet werden. Außerdem müssen die Netze nicht besonders beschichtet sein, da das Bauchfell einen körpereigenen Schutz vor Verwachsung darstellt. Führen wir dieses Verfahren minimalinvasiv durch, nennen wir es eTEP (enhanced-view TotalExtraPeritoneal).
 

Bei einer sehr großen Bruchlücke kann es während der Operation vorkommen, dass ein Verschluss nur unter sehr starker Spannung oder gar nicht möglich ist. Um den Verschluss der Bruchlücke spannungsfrei durchführen zu können, kann es in diesen Fällen notwendig sein, eine Komponentenseparation durchzuführen. Man unterscheidet im Bereich der Bauchdecke die Komponenten der geraden Bauchmuskulatur im Bereich der Bauchdeckenvorderwand sowie der drei übereinanderliegenden Muskelgruppen im Bereich der seitlichen Bauchdecke. Über spezielle Operationsverfahren ist es möglich, Teile dieser Komponenten voneinander zu trennen, um somit den nach außen gerichteten Zug der seitlichen Bauchmuskulatur zu verringern und einen Verschluss der Bruchpforte zu ermöglichen.
 

Wie bereits oben beschrieben, kann der Verschluss sehr großer Bruchlücken durch den Zug der seitlichen Bauchmuskulatur erschwert oder unmöglich sein. Im Rahmen eines individuellen Behandlungsversuches bieten wir vereinzelt Patienten mit sehr großen Bruchlücken die Vorbehandlung mit Botox an. Da es sich hierbei um einen sogenannten Off-Label-Use handelt, muss dieses Verfahren explizit vom Patienten gewünscht werden und medizinisch sinnvoll und vertretbar sein. Die Vorbehandlung mit Botox erfolgt in der Regel vier Wochen vor einer Operation. Eine definierte Menge wird in die seitliche Bauchmuskulatur injiziert. Dadurch kommt es zu einer Erschlaffung der seitlichen Bauchmuskulatur, welche in der Regel für drei Monate anhält. Die Reduktion des seitlichen Zuges ermöglicht dann während der Operation den Verschluss der Bruchlücke. Daher spricht man bei diesem Verfahren auch von einer chemischen Komponentenseparation. Die Wirkung des Botox lässt im zeitlichen Verlauf weiter nach und die seitliche Bauchmuskulatur nimmt ihre normale Funktion wieder auf.

Welche Komplikationen sind bei der operativen Versorgung von Narbenhernien möglich?

Neben allgemeinen Komplikationen kann es in seltenen Fällen zu Wundkomplikationen (Bluterguss, Entzündung) kommen. Die Wahrscheinlichkeit für einen erneuten Bruch ist bei der Verwendung von modernen Kunststoffnetzen verhältnismäßig gering.