Eingeweidebrüche (Hernien) sind ein häufiges chirurgisches Krankheitsbild. 2 - 4 % der Bevölkerung leiden an dieser Erkrankung. In 3/4 der Fälle liegen Leistenbrüche vor (ca. 150.000 / Jahr bundesweit).
Bei einem Leistenbruch handelt es sich um eine sackartige Ausstülpung des Bauchfells durch eine Lücke in der Bauchdecke im Bereich der Leiste. Eingeweideteile (Darm, Bauchfett, Eierstock etc.) können durch diese Lücke aus dem Bauchraum austreten und somit zu Beschwerden führen.

Durch eine einfache Untersuchung durch einen Arzt kann in den meisten Fällen ein Leistenbruch erkannt werden. Gelegentlich ist eine Ultraschalluntersuchung notwendig.

Für die Patienten ist das Leitsymptom ein ziehender oder stechender Schmerz in der Leistengegend, der vor allem bei körperlicher Aktivität auftritt. Eine Schwellung ist oft tastbar, bei größeren Leistenbrüchen auch deutlich sichtbar.

Informieren lohnt sich! Gehen Sie den nächsten Schritt. Sprechen Sie mit uns. Für ein vertrauensvolles Gespräch stehen wir ihnen gerne in unserer Sprechstunde zur Verfügung. Einen ersten Termin können Sie telefonisch unter der Nummer (0211) 4400 - 2000 vereinbaren.

Anatomisch vorgegebene oder anlagebedingte Schwachstellen der Bauchdecke können zu einem Bruch führen. Chronische Erhöhung des Druckes in der Bauchhöhle im Bereich der Leiste (z.B. durch Husten, Verstopfung, Blasenentleerungsstörungen z.B. bei einer vergrößerten Prostata, schwere körperliche Arbeit, Schwangerschaft) begünstigen ein Auftreten. Aufgrund des Durchtritts des Samenstranges beim Mann im Bereich der Leiste und der somit bedingten Schwachstelle treten Leistenbrüche bei Männern deutlich häufiger auf (9:1).
 

Jeder Leistenbruch sollte operiert werden, denn es besteht prinzipiell die Gefahr einer Darmeinklemmung (Inkarzeration). Die kann einen Darmverschluss zur Folge haben. Eine Schwellung in der Leiste, die sich auch im Liegen nicht alleine oder durch sanften Druck zurückbildet und/oder anhaltende Schmerzen sind Symptome für einen eingeklemmten Leistenbruch. Hierbei besteht die Notwendigkeit einer sofortigen Operation.
 

Offene Operationstechnik mit einem Schnitt in der Leiste

  • ohne Netzimplantation
  • mit Netzimplantation

Minimalinvasive Operationstechniken (Schlüssellochverfahren)

  • TEP-Technik (Total-Extraperitoneale-Netzimplantation)
  • TAPP-Technik (Trans-Abdominale-Präperitoneale-Netzimplantation)
     

Die Bruchlücke wird in der offenen Operationstechnik ohne Netz durch Zusammen- bzw. Übereinandernähen der Muskel- und Bindegewebsschichten in Shouldice-Technik oder mit Netz durch Auflage und Aufnähen eines sich nicht auflösenden Kunststoffnetzes verschlossen (Hernienreparation nach Lichtenstein).
 

Bei den minimalinvasiven Operationstechniken wird die Bruchpforte immer mit einem Netz verschlossen. Es werden zwei Verfahren unterschieden:

TEP-Technik

  • Die TEP-Technik wird über minimalinvasive Zugänge durchgeführt. Hierbei erfolgt eine Spiegelung der Bauchdecke (hinter der Bauchmuskulatur und vor dem Bauchfell). Eine Spiegelung vom Bauchraum aus sowie das Eröffnen und Verschließen des Bauchfells entfällt hierbei.

TAPP-Technik

  • Das Netz wird laparoskopisch, d.h. über eine Bauchspiegelung unter Kamerasicht vom Bauchraum aus, über der Bruchpforte platziert. Hierbei wird das Bauchfell zur Platzierung des Netzes aufgeschnitten und anschließend wieder zugenäht. Bei dieser Technik ist gleichzeitig die Untersuchung des gesamten Bauchraumes zum Ausschluss weiterer krankhafter Befunde möglich.

Durch die Einlage eines Kunststoffnetzes konnte eine Verringerung der Rezidivrate (erneuter Leistenbruch) von 50-70 % erzielt werden. Eine schnellere Schmerzfreiheit sowie deutlich weniger chronische postoperative Schmerzsyndrome sind wichtige Vorteile.

Welche Vorteile der minimalinvasiven gegenüber dem offenen Operationsverfahren mit Netzimplantation gibt es?

Wesentliche Vorteile stellen die schnellere Genesung und Belastbarkeit der Bauchdecke aufgrund geringerer postoperativer Schmerzen dar. Bei geringerer Rezidiv- sowie Komplikationsrate (ca. 1-2 % Komplikationsrate, Rezidivquote <1 %) im Vergleich zu offenen Netzverfahren zeichnen sich die minimalinvasiven Verfahren durch einen kürzeren Arbeitsausfall und weniger Schmerzzustände aus. Eine vollständige Belastbarkeit besteht im Normalfall bereits nach zwei Wochen. Nicht zuletzt wird durch die minimalinvasiven Zugänge auch ein ansprechendes kosmetisches Ergebnis erzielt.