Prostatektomie

Was ist eine radikale Prostatatektomie?

Die radikale Prostatovesikulektomie ist eine standardisierte Operation, die bei Patienten durchgeführt wird, bei denen ein auf die Prostata begrenzter Prostatakrebs nachgewiesen wurde. Ziel der Operation ist daher eine komplette Entfernung des Tumors mit Prostata, beiden Samenblasen und den Lymphknoten. Bei der von uns durchgeführten radikalen Prostatovesikulektomie wird ein Unterbauchlängsschnitt unterhalb des Bauchnabels bis zum Schambein vorgenommen. Die Lymphknoten im kleinen Becken werden zunächst in der Fossa obturatoria, der ersten Lymphknotenstation, entnommen (wie bei Lymphknotenstaging-Operation). Danach werden zwei weitere Stationen von Lymphknoten entfernt, so dass wir mehrere „Tumorfilterstationen“ entfernt haben. Dies gewährleistet eine größtmögliche Sicherheit, die bei organüberschreitenden Karzinomen trotzdem ausreichende Radikalität und Heilungschancen gewährleistet. In einigen Fällen kann es erforderlich sein, die Lymphknoten während der Operation von einem Pathologen im Rahmen einer sog. Schnellschnittuntersuchung auf Tochtergeschwülste (Metastasen) untersuchen zu lassen.

Sind die Lymphknoten unauffällig oder liegt nur eine kleine Metastase vor, wird die Operation fortgesetzt. Die Prostata samt Samenblasen wird komplett herausoperiert. Hierbei werden, wenn ein organbegrenztes Tumorwachstum dies zulässt, die potenzerhaltenden Fasern geschont. Nach Entfernung der Prostata wird am Übergang zur Blase nochmals ringförmig Blasenhalsgewebe mit entfernt und separat vom Pathologen untersucht. In einem weiteren Schritt ist es jetzt erforderlich, den Blasenhals, der jetzt einen Durchmesser von ca. 4 cm besitzt, auf die Größe der Harnröhre einzuengen. Dies erfolgt mit einer so genannten plastischen Blasenhalsrekonstruktion und bietet (schon) den Vorteil, dass man nach der Operation sehr früh kontinent ist. Durch die hervorragende Gewebsverschieblichkeit der verbleibenden Blase ist eine Neuverbindung zur Harnröhre problemlos möglich. Die Neuverbindung zwischen der Harnröhre und der Blase wird mit einem Katheter überbrückt, der 10 Tage nach der Operation im Anschluss an eine Röntgendichtigkeitsuntersuchung entfernt werden kann. Wundflüssigkeit wird über eine kleine Drainage nach außen abgeleitet. Dieser kleine Drainageschlauch wird am 3. Tag nach der Operation entfernt. Insgesamt dauert der Krankenhausaufenthalt nach einer radikalen Prostataoperation ca. 14 Tage. Schon während des Krankenhausaufenthalts beginnen wir mit Beckenbodentraining. Wir empfehlen immer eine Anschlussheilbehandlung in einer Nachsorgeklinik, die 3 Wochen dauert und spätestens 14 Tage nach Entlassung angetreten werden sollte. Häufig gestellte Fragen im Rahmen einer radikalen Prostataoperation.

Kann die Potenz auf jeden Fall erhalten werden?

Die potenzerhaltende nervenschonende Prostataoperation ist nur dann möglich, wenn der Prostatatumor auf die Prostatakapsel beschränkt ist und die Potenzfasern nicht in der Nähe der Geschwulst liegen. Leider kann man nach einer Probeentnahme nicht sicher genug sein, inwieweit der Tumor an diese Fasern herangeht. Auch CT-, PET-Untersuchungen oder MRT-Untersuchungen erhöhen die Voraussagewahrscheinlichkeit nicht. Bei einem organbeschränkten Wachstum im Stadium T2 können die Potenzfasern jedoch erhalten werden. Nach der Operation fördert dann ein Training mit bekannten Potenzmitteln oder zusätzlichen Hilfen die Herstellung der erektilen Funktionsfähigkeit.

Wie verhält es sich mit der Inkontinenz?

Die so genannte Stressinkontinenz, also der Urinverlust beim Husten, Pressen oder Betätigen der Bauchpresse, ist die Komplikation, vor der man als Patient die meisten Bedenken hat. Die Qualität einer Klinik richtet sich nach der prozentualen Inkontinenzrate nach radikaler Prostatektomie. Die Erhaltung der Kontinenz stellt eine große Herausforderung für den Operateur dar. Die Inkontinenzrate ist natürlich auch abhängig von der Ausdehnung des Tumors. In den ersten Wochen nach der Operation ist eine Stressinkontinenz mehr oder minder starken Ausmaßes normal. Durch entsprechende Rehabilitationsmaßnahmen ist die normale Kontinenz in der Regel nach 3 Monaten wieder vorhanden.

Was passiert, wenn der Tumor weiter fortgeschritten Ist, als vor der Operation erwartet wurde?

Es kann vorkommen, dass der Pathologe bei der Beurteilung des Operationspräparates feststellt, dass der Tumor bis an den Rand des Präparates vorgewachsen ist. Dieser Befund wird R1 oder randpositiv bezeichnet. Die Erfahrungen zeigen, dass Patienten mit diesen Befunden im Vergleich zu nicht operierten Patienten eine wesentlich höhere Überlebensrate, vor allem eine geringere Metastasierungsfrequenz haben. Wenn ein R1-Befund vorliegt, empfehlen wir eine PSA-gesteuerte Nachsorge. Wenn der PSA-Wert bei 0,0 ng/ml bleibt, ist zunächst keine weitere Therapie erforderlich. Dies setzt voraus, dass keine Hormontherapie erfolgt. Je nach Befund kann eine Hormontherapie oder ca. nach einem halben Jahr eine Strahlentherapie angeschlossen werden, die dann die Operation komplettiert und die besten Überlebenschancen sichert. Diese Bestrahlung wird ambulant in unserer Klinik durchgeführt.

Hat die Entfernung der Lymphknoten im kleinen Becken Auswirkungen auf die Beine?

Nein. Es gibt ausreichend Umgehungskreisläufe, die eine Drainage der Beinlymphflüssigkeit sichert. Wenn im Rahmen einer Karzinomerkrankung eine einseitige Verdickung eines Beines durch ein so genanntes Lymphödem auftritt, ist das meist ein Zeichen, dass die Lymphwege durch Lymphknotenmetastasen eher verstopft sind oder dass die Beinvene im kleinen Becken durch einen Tumor eingedrückt wird und so kein ausreichender Abfluss gesichert ist.

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